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Ringelspitz, statt Mont Vélan

Donnergeroll und Wolfsgeheul

Ich sitze vor der Hütte und nippe an einem speziellen Kaffeeglas, wo eine Wolfstatze als Biscuitgebäck hängt und lasse meine verregneten Kleider gleich am Körper trocknen. War das eine verrückte Tour; alles durften wir erleben, von Sonne und Hitze bis zur kalten Dusche und Hagelschlag. Verrückte Sache - diese Berge!

Mir drehten immer noch die Wetterberichte für dieses erlebte Wochenende im Kopf herum und war einerseits froh, dass ich das Wallis weiträumig gemieden habe und die ganze Gruppe in die Ostschweiz führte. Anderseits hätte es auch in dieser Region fast in die „Hosen gehen können“.

Das ganze Unterfangen musste ich noch am Freitag total umplanen, und ich war schlussendlich heilfroh, in der Ringelspitz-Hütte noch die gewünschte Bettenanzahl zu erhalten. Das Bündnerland musste wohl von halb Zürich überrumpelt worden sein.
Doch absagen wollte ich die gemeinsame JO- und Sektionshochtour unter keinen Umständen.

Ohne irgendwelche „künstlichen“ Hilfsmittel stiegen wir von Grund aus auf zur Hütte, liessen den Schweiss nur so über unseren Körper kullern und stemmten die schweren Säcke durchs Foppaloch - Und, wo ist der Wolf? - zum Kunkelspass, wo sich gleich 5 Liter hausgemachter Apfelschorle in nichts auflösten.
Als hätten wir noch nichts getan, mussten wir den Klettergarten um die Ringelspitz-Hütte erkunden und ein paar Routen in den „Böllern“ geniessen.

Das abendliche Gewitter liess sämtliche „Camper“ (Tipi) neben der Hütte oder, jene die weiter oben bei den Sandböden waren, in die Hütte flüchten und entsprechend lagen ein paar Personen auf Matten, verstreut in der Hütte irgendwo auf dem Fussboden.

Nachts genoss ich noch kurz den Mond und die klare Aufhellung vor der Hütte, als ich wirklich dachte, von weiter Ferne ein Geheul zu vernehmen; Wildnis pur.

Die morgendliche Dämmerung war bereits vorbei, als wir zielstrebig unserem Tagesziel, dem Ringel, entgegen stiegen. Bis zum Einstieg der Klettereien am Mittelgrat zog sich das Tal fast unendlich weit hin. Die vielen Bächlein konnten „mit links“ überquert werden und auch die letzten Schneefelder waren kein Problem. Obwohl bereits viele Wolken den Himmel verzierten, weckten die ersten Sonnenstrahlen viel Hoffnung und Enthusiasmus in uns.

Schon standen wir am Fuss des Mittelgrats und an der Anseilstelle. Zwei kehrten um, da für sie die nächste Herausforderung für heute etwas zu viel gewesen wäre. Die restlichen sechs Verbliebenen teilten sich auf zwei Seilschaften auf.
Der Grat bot alles was ein Bergsteigerherz erfreuen lässt, viel Abwechslung und ein paar knifflige Stellen.

Während wir uns so in die Höhe „schraubten“, machte mir die Wetterentwicklung keine grösseren Sorgen; das Gewitter war erst auf den späteren Nachmittag angesagt und wir kamen doch recht ordentlich vorwärts.
Dass eine Gruppe etwas länger unterwegs sein würde, hatte ich bereits eingerechnet, musste aber - je höher wir kamen - immer wieder etwas nachkorrigieren, so dass schlussendlich der Gipfelaufenthalt nur noch aufs „Küssli“ verteilen und Gratulieren verkürzt wurde.

Im Eilzugstempo ging’s wieder bergab, schlussendlich warteten unten bei den Sandböden noch zwei unserer Leidensgenossen, die hoffentlich noch viel Gesprächsstoff für die weitere Warterei übrig hatten.

Die „Abseilereien“ über den Grat verschlang wiederum mehr Zeit als eingerechnet und die zunehmend dunklen Wolken am gegenüberliegenden Berg machten mich leicht ungeduldig und nervös.

Fast fahrplanmässig und für uns am Ende der „Abkletterei“ setzte der erste Regen ein, begleitet von Donnergeroll und Blitzen ein. Jetzt nichts wie weg vom Grat in eine Senke und so schnell wie möglich weit hinunter. Hagel und Blitze trieben uns zur Eile an!
Komplett durchnässt trafen wir unsere beiden Kollegen an und stiegen, als wären wir auf irgendeiner Flucht, sofort weiter runter.
Der Himmel zeichnete in der Zwischenzeit „Weltuntergangsstimmung“ und ein halbes Inferno entstand um uns herum. Die morgendlichen Rinnsale und Bächlein stellten uns plötzlich vor schwer überwindbare Hindernisse und das Ausweichen war nicht immer einfach oder ungefährlich.

Kaum war’s vorbei, unser kleines Inferno, lachte uns die Sonne wieder an, als wäre nichts gewesen und liess uns eine kurze Pause vor der Hütte bei Kaffee und Kuchen geniessen.

Der Abstieg nach Tamins, in fast rekordverdächtiger Zeit und stark brennende Oberschenkelmuskeln, war quasi unser Dessert, eh wir das letzte Postauto nach Chur besteigen konnten.

Uff, war das wieder eine verrückte Geschichte um die Ringelspitze. Nebst den Blasen quälten mich die Muskeln noch eine Weile und erinnerten mich immer wieder an dieses Bergabenteuer; ja, eine unvergessliche Tour, und ihr ward ein super Team!