Am Montagmorgen machte sich eine bunt gemischte Truppe auf den Weg zur Lämmerenhütte. Mit der Motivation, neues zu lernen und dabei einen Einsatz für die Hütte zu leisten, waren wir unterwegs.
Da wir schon 70m Seile und Ausrüstung für eine Woche dabeihatten, war der geforderte «leere Platz im Rucksack» gar nicht mehr so gross. So waren wir froh, als die Nachricht kam, dass am Wochenende schon fleissig gearbeitet wurde und 3 Bohrmaschinen, 150 Bolts, 12 Stände, Akkus, Hämmer und diverses weitere Werkzeug dank Matyas und weiteren Helferinnen schon den Weg in die Hütte gefunden hatte. (Danke!) So konnten wir mit leichtem Gepäck zur Hütte aufsteigen und hatten noch genug Energie, um am Nachmittag im Sektor Lämmerenhorn den Fels zu testen. So wussten wir schon über die Struktur Bescheid, das war für die kommenden Tage hilfreich.
Am Dienstag ging es richtig los: Im Sektor Leiterli sollten Routen saniert, sowie neue eingerichtet werden. Sämtliches Material wurde zum dreissig Minuten und 160 Höhenmeter entfernten Felsband transportiert. Zum Glück waren wir zu neunt und konnten das Gewicht gut aufteilen. Vor Ort wurden wir von Bergführer Ueli Gnädinger instruiert und wir hatten auch die Gelegenheit, unsere Fragen zu stellen, die er sehr kompetent beantwortet hat.
Im linken Wandteil konnte man bestehende Stände benutzen, um weitere Routen von oben einzubohren. Dies hat den Vorteil, dass man die Kletterbewegungen im Toprope ausprobieren und die Position der Haken in Ruhe anzeichnen kann. Auch eine grobe Putzaktion dieser Routen passierte schon am Dienstag.
Im rechten Wandteil, wo noch keine Routen waren, durften wir die erste von unten einbohren. Gesichert an Cliffs und Friends bohrten wir Haken um Haken, bis wir auf einem Band ankamen. Wir fühlten uns dabei wie Entdecker auf hoher See. Wir kletterten ins Unbekannte und freuten uns über alles, was wir fanden - vor allem natürlich über Strukturen, an denen wir uns sichern konnten ???? Beim Einbohren von unten kommen die Haken erstmal dahin, wo es möglich ist sich zu sichern und beide Hände freizubekommen. Zum Glück ist dies meist auch eine günstige Einhäng-Position für den Kletternden, so mussten wir nur einen Haken neu positionieren.
Am Mittwoch waren die Arbeiten umgekehrt: Im Linken Wandteil wurde gebohrt, rechts wurde die erste Route gründlich von losem Gestein befreit, es wurde gejätet und "gebeselt". Gewisse Griffe mussten aus Sicherheitsgründen noch etwas entschärft werden.
Insgesamt verbrachten wir für das Putzen einer Route doch einige Stunden am Seil und wir alle schätzen nun gut ausgerüstete Kletterrouten, die wir sonst einfach "konsumieren", um so mehr.
Leider machte am Mittwoch das Wetter Kapriolen: Sonne und Hagel wechselten alle 30 Minuten ab und am Nachmittag regnete es so stark, dass wir den Nachmittag mit Jassen in der Hütte verbringen mussten.
Am Donnerstag machten sich Ueli und Matyas wieder früh morgens auf den Weg und liessen es beim Leiterli wieder ordentlich rumpeln – es mussten weitere lose Felsen runter. Ein Brecheisen machte seinem Namen alle Ehre und brach auch gerade entzwei.
Wir kamen in sicherem Abstand nach und die Arbeit ging weiter. Im rechten Wandteil wurden noch zwei Stände gesetzt und man konnte nun auch von oben einbohren. Wir bekamen Unterstützung von Stefan aus dem Berner Oberland und so konnten wir effizient weiter bohren und putzen. Im linken Wandteil wurden inzwischen die bereits bestehenden Routen saniert. Wir ersetzten alte Stände und begradigten den Seilverlauf.
Am Donnerstag wurde auch eine weitere wichtige Aufgabe erledigt: Beim ehemaligen Standort der Hütte lagen immer noch alte Konservendosen und weiterer Müll, der nun endlich beseitigt wurde. Diese Aufgabe erledigten Christian, der uns auch sonst die ganze Woche über unterstütze und Daniel und Silvia, die ihren Einsatz gerade mit einer Wanderung nach Kandersteg verbinden konnten. Nun sieht es bei der alten Hütte viel ordentlicher aus.
Den Freitag und Samstag verbrachten wir mit dem "Feinschliff" und dem Testen der Routen. Es war ein tolles Gefühl, die Routen, die wir erschlossen hatten, durchzuklettern und zu geniessen. Ab und zu sorgte ein Hagelschauer oder ein Wolkenbruch für eine kleine Pause, aber schlussendlich war alles fertig und wir konnten das Material zurück zur Hütte tragen. Stefan und Matyas hatten am Samstag noch eine Route im Sektor Lämmerenhorn eingebohrt. Weil das Testklettern am Samstag ins Wasser fiel, stellten wir uns am Sonntag einen Wecker und testeten die Route bei Sonnenaufgang mit genialer Aussicht. Anschliessend schnappten wir unsere Rucksäcke, verluden einen Teil des Materials aufs Lastenbähnli (danke ans Hüttenteam!) und traten die Heimreise an.
Ich möchte mich bei allen, die es möglich gemacht haben für diese tolle Woche bedanken. Wir haben sehr viel gelernt und sind bestimmt alle kompetenter am Felsen unterwegs als vorher. Beide Sektoren haben sicher ein deutliches Upgrade erhalten: Im Leiterli sind 6 neue Routen entstanden und im Sektor Lämmerenhorn eine. Zudem sind diverse alte Routen saniert und auch der Müll bei der alten Hütte wurde beseitigt.





