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Osterskitourenwoche Britannia-Monte Rosa

Ein 4000-er, zwei 4000-er, vier 4000-er, .....
....oder war's doch ein Zehngänger?

.... welch ein Gipfelrausch, der kaum noch zu bremsen war! Doch so einfach war's dann doch wiederum nicht und für die Viererserie brauchte es entsprechend viel Geduld. Das Menü, von der Vorspeise bis zu Dessert war gut durchzogen, konnte mit vielen Hightlights aufwarten, aber auch unterdurchschnittlichem. Dass beim Apéro gleich mit voller Kelle angerichtet wurde, setzte die Messlatte gleich unglaublich hoch an, so dass die weiteren Gänge vorerst leicht enttäuschten.

Der Start, oder Einstieg ins „kulinarische“ Vergnügen erfolgte gleich am ersten Tag, wo wir von 250 auf über 4000 durchstarteten und die idealen Verhältnisse für den Gipfelsturm aufs Allalinhorn nutzten. "S'Bähnli" brachte uns noch bequem weit hinauf in die hochalpine Bergwelt, und im Drehrestaurant liessen wir unsere Lungen und Köpfe an die dünne Luft gewöhnen. Nach einer Runde hielten wir es nicht mehr aus, und bald konnten wir unserem Gipfeldrang freien Lauf geben.
Das alpine Hochgefühl verdrängte sämtliche Kopfschmerzen und Höhenprobleme, ab Skidepot ging's noch leicht über Firn und wenige Felsbrocken auf den Gipfel hoch über Saas Fee. Welch ein Gefühl hier oben als Gast zu sein und in die weite Welt hinaus zu staunen.
Die Abfahrt; tja, Pulverschnee wäre was anderes, doch hinunter kommen sie bekanntlich ja alle. Irgendeinmal standen wir wieder unten und in verschiedenen Variationen - ob mit den Fellen unter den Skis, auf dem Rucksack aufgeschnallt oder gleich durchziehend im Scatingschritt - wurde der kurze Gegenaufstieg zur Britannia-Hütte überwunden.
Abends wurde kritisch wie ungläubig der Wetterbericht konsultiert und irgendeine noch undefinierte Windströmung herbeigesehnt. Bekanntlich stirbt die Hoffnung zu letzt!

Die Vorspeisen entpuppten sich eher als fade Beilage und auch der Abgang kratzte mehr oder weniger!
Früh morgens machten wir uns auf, rutschten noch in Dunkelheit den Hüttenhang auf knallhartem Schnee hinunter, bevor wir wieder über die endlos weiten Gletscher hinauf zum Allalinpass und Rimpfischjoch hoch kraxelten. Noch während unserem Aufstieg spielten die Wolken im Sonnenlicht und zauberten all möglichen Fabelwesen an das Himmelszelt. Nach diesem wunderschönen Schauspiel pfiff uns bald einmal Monsieur Nordwestwind mit einer steifen Brise um die Ohren.
Beim Skidepot war dann Schluss! Der Gipfelgrat war bereits in dicke Wolken eingehüllt und die Steigfelle fielen vor Kälte fast alleine von den Skiern.
Bei der Abfahrt galt es einmal mehr die tragenden Schneeflächen unter den vielen Bruchharschschichten auszumachen, ohne dass man gleich bei jeder Kurve in die Zauberkiste der Skikünste recken musste. Aber, es könnte ja noch schlimmer sein!

Den nächsten Gang liessen wir links liegen und verzichteten freiwillig. Der fade Geschmack vom Vortag lag immer noch auf der Zunge und die Angst einer sauren Gurke drehte die Runde.
Dafür war ausschlafen angesagt, ein ausgiebiges Frühstück und anschliessendes "fare niente". Lesen, jassen und den Schneeflocken zuschauen waren wohl die aufregensten Dinge, die wir an diesem Tag tun konnten.
Irgendeinmal, an diesem grau verhangenen Nachmittag, hiess es plötzlich: Jetzt geht's los! Das Klein Allalin wartet auf seine Besteigung. Verpackt wie für eine Besteigung des Everest ging's dann hinaus in Sturm und Kälte, durch hüfthohen Schnee pflügten wir uns um die Hütte und die wenigen Meter hoch zum Gipfel. Kann es wirklich so unwirtlich sein im Himalaya?

Die Osterhasen und die dazugehörigen Eier läuteten den nächsten Gang ein. Die härtesten Eier galten bald einmal als unbestechlich und andere Leckereien liessen bald den Gaumen aufhorchen. Nur beim Abgang blieb erneut etwas im Halse hängen!
Unser Traum der ersten Schwünge vom Adlerpass hinunter in die weite Gletscherwelt war bald ausgeträumt: Zuviel Schnee! Ebenso hatte es vorerst zuviel der weissen Pracht um die Hütte und mit viel Dynamit wurde uns der Weg nach Saas Fee frei gesprengt. Vollservice!
Mit Postauto, Zug und Bähnli machten wir uns auf den Weg in die nächste Hütte. Eigentlich auch eine Art die Berge zu erleben, und fast ohne Schweisstropfen fanden wir uns wieder auf dem Breithornpass. Von der morgendlichen Sonne war bald nichts mehr zu sehen. Dicke Wolken drängten aus Süden in die Schweiz und selbst die Zuwanderungsinitiative konnte diese bösen üblen Kerle nicht aufhalten. Mit Karte, Kompass, einem komplizierten GPS-Gerät und angeseilt fanden wir doch noch den richtigen Durchgang hinunter zum Rifugio Guide dalle Val d'Ayas.
Und dann Italien live: Der Tourenleiter und Führer wurden sofort an die Bar eingeladen. Der Rest konnte warten. Bella Italia!

Die nächste Tafelrunde konnte erneut nicht überzeugen und irgendwie musste dieser Küchenchef zwei linke Hände haben: Fad, geschmacklos und der Stift würde es vermutlich einiges besser machen. In Gedanken spielten wir schon mit einem Wechsel des Lokals.
Montag war der Tag des Austausches! Durch Nebel und Wolken pflügten wir uns durch frischen Schnee in die Höhe, um irgendeinmal in Richtung Breithornpass abzuzweigen. Dort oben, weit oben soll irgendwo die Wechselzone liegen: Eine Beiz mitten in der Bergwelt!
Genüsslich schlürften wir am Latte Macchiato, genossen Kuchen und andere Leckereien, die für die fernöstlichen Touristen auf diesen Berg gekarrt wurden. Es war ein unheimlicher Genuss an einem "fast" italienischen Kaffee zu trinken und in angenehmer Wärme zu sitzen.
Was wäre das Matterhorn ohne Diplom? Dafür mussten wir zuerst den Gipfel erklimmen. Doch keine Sorge, es hat einen Lift! Das Foto fürs Album war bald im Kasten und zur Feier gab's gleich noch einen zweiten Latte Maciatto, frisch gepresst aus der italienischen Kaffeemaschine.
Die Osterteilnehmer fuhren bei guter Sicht in Richtung Zermatt, wir und die neuen Teilnehmer, stampften wieder über den Breithornpass der Zwillingslücke zu. Und wieder mussten wir den ganzen Weg bis zur Hütte an der Leine bleiben.
Der Hüttenwart versüsste unser Leiden mit einer grosszügigen Runde Génépi und schon war bald alles vergessen.

Die Erwartungen waren nicht mehr allzu gross und als "Allesvertilger" sind wir bereits einiges gewohnt. Sehr frisch und angenehmen "Pep" wurde der nächste Gang aufgetischt. Die Hoffnung stirbt bekannlich zuletzt, oder hat doch der Stift die Kelle übernommen?
Unsere Herzen schlugen höher, als sich die Sonne hinter dem Firnament zeigte und mit viel Elan ging's erneut den Berg hoch. Der Schnee knirschte unter den Latten, die tiefen Temperaturen schlichen überall unter die wärmenden Kleiderschichten. Alle waren froh als uns die ersten wärmenden Sonnenstrahlen unterhalb der Zwilligslücke erreichten. Infolge der Wetterbedingungen waren wir fast alleine unterwegs, und so mussten wir auch den Weg durch die Westflanke auf den Pollux selbst erkunden. Oben war dann alles vergessen und die grandiose Rundsicht entschädigte für alles bisher verpasste: Ob wegen den fast abgefrorenen Fingern oder verlorenen Jassrunden.
Die Abfahrt über den Schwärzegletscher genossen wir im vierfachen Sinn: Lang und eine einmalige Landschaft, noch gute Schneeverhältnisse und alles ohne die lange "Leine".
In der Nachmittagssonne ging's dann gemütlich hinauf zur neuen Monte Rosa-Hütte. Entgegen allen vorgängig gehörten Meinungen ist dies (…für mich…) ein gelungener Bau mit vielen guten Ideen, wenn man über den vergessenen Trocknungsraum hinweg sieht.

Die nächste Runde erwarteten wir mit viel Spannung und waren vom aufgetischten doch recht überrascht. Zuerst konnte das Ganze nicht gleich überzeugen, doch mit dem Essen kommt ja bekanntlich der Appetit und es schmeckte immer besser. Leider hatten wir uns für die letzten Bissen am Gewürzstreuer vergriffen.
Die Nacht war noch dunkel und die Sterne konnten uns den Weg hinauf zum Grenzgletscher nur spärlich erleuchten. Ebenfalls erschienen die Berge um uns herum mächtig gross, fast erdrückend und als kleine Zwerge bewegten wir uns in dieser endlos weiten Gletscherwelt. Der südliche Wind blies uns kräftig ins Gesicht und für lange Pausen war's woll kaum der richtige Moment. So erfreuten wir uns - wir waren schon weit über 4000 Meter - ab den ersten Sonnenstrahlen und dem nachlassen der Windböen.
Schnell musste ein Gipfel her! Gedacht, getan: Bald standen wir auf der Ludwigshöhe und staunten erneut in die weite Welt hinaus. All die morgendlichen Strapazen waren schon vergessen und bereits kreisten neue Ideen im Kopf herum. Warum nicht gleich noch auf das Corno Nero?
Wunder dauern bekanntlich etwas länger, Wünsche werden sofort erfüllt! Nach kurzem Nordwandfeeling sassen wir bald oben bei der Madonna. Unsere Blicke in südlicher Richtung liessen uns nichts Gutes erahnen und die Abfahrt bis zur Gnifetti-Hütte forderte noch einmal das ganze Können auf den schmalen Latten.

Meisterleistungen der Haute Couisine brauchen auch ihre Zeit und sind meist eine Entwicklung der vorgegangenen Werke. Jedenfalls wird man diesen Gang nur schwerlich überbieten können. Es stimmte einfach alles. Schon die Präsentation liess einem das Wasser im Munde zusammen laufen und der Rausch war schlussendlich perfekt. Dass der Abgang vielleicht etwas fad war, lag eher an unserer Sättigung als am Hauptgang selbst.
Als wir frühmorgens zum Lysjoch aufstiegen dachte wohl niemand an unsere aufkeimende Sammelwut. Für den heutigen Tag sollten es 4 Gipfeln über 4000 Meter werden. Für einmal stimmte wirklich alles und fast locker ging's dem Colle Gnifetti entgegen. Bis auf die Zumsteinspitze waren's noch wenige Meter. Das Erlebnis und die Eindrücke waren erneut grossartig und beflügelten gleichzeitig.
Schnell waren wir wieder unten beim Skidepot, schon ging's los auf die andere Seite des Passes, wo erneut eine steile Flanke auf uns wartete. Die Margherita-Hütte hat zwar einen wohl klingenden Namen, vermochte aber unserem Verlangen keinen Einhalt gebieten und so blieb's nur bei einem kurzen Besuch bei der alten italienischen Dame.
Im Kessel unterhalb des Seserjochs berauschte uns die sagenhaften Schneeverhältnisse zusätzlich, was jegliche zusätzliche Anstrengung gleich zu einem Klags machten. So flogen wir nur so über das Lysjoch um auf der anderen Seite gleich auf das Bodnerhorn zu steigen. Fotos im Kasten, einen kurzen Besuch im Biwak Giordano und schon hetzten uns die ersten Wolken zur Eile.
Die Rucksäcke liessen wir im nördlichen Sattel bei der Vincentpiramid liegen und flogen nur so dem Gipfel entgegen: Nummer 4 für den heutigen Tag! Die ersten Wolken raubten uns zwar die Weitsicht zum Mailänder Dom, dafür erfreute uns die Abfahrt - einmal ohne Rucksäcke - zurück zum Sattel. Ebenfalls war die weitere Kurverei bis zur Gnifetti-Hütte nicht übel und die kleine Erhebung neben der Hütte lud noch zum Verweilen ein.
.....ja, das war ein kaiserlicher Tag.

Erwartungsvoll warteten wir aufs Dessert. Nach dem letzten Gang sollte es der Hammer werden. Die Erwartungen waren hoch, die Enttäuschung gross: Unter einem Nachtisch verstehe ich etwas anderes. Der Gaumen sollte noch einmal bis zum Anschlag hin verwöhnt werden. Die ganze Vorfreude stürzte kläglich zum "8x15" ab und leicht enttäuscht wollten wir bereits das Lokal verlassen.
Ja, für den zweitletzten Tag planten wir die Besteigung des letzten 4000-er, so dass wir die ganze Sammlung hätten abhaken können. Aber die Rechnung machten wir für diesen Tag ohne den Wirt. Die Wolken hingen bereits früh morgens tief und der leichte Südwind liess nichts Gutes erahnen. Oben, auf dem Lysjoch standen wir bereits in den Wolken und die Sicht war sehr eingeschränkt. Nördlich war's noch gut, aber der aufkommende Südwind wollte nicht nachlassen. Wolkenfetzen flogen übers Gebirge und bald könnte es auch nördlich zu eingeschränkter Sicht kommen. Alfons sprach ein Machtwort, schnell waren die Steigfelle im Rucksack verstaut und in windeseile glitten wir über die weisse Fläche in tiefere Höhen. Den immer wieder aufreissenden Sonnenlöchern trauten nicht alle, die Anderen wiederum schauten wehmütig zum Gipfel der Parrotspitze. Tja, so kann das Leben manchmal spielen und so hat man erneut einen Grund hier hinauf zu steigen.
Fast pünktlich zur "Z'nüni-Pause" erreichten wir die Monte Rosa-Hütte und bei Kuchen und Kaffee wurde das weitere Vorgehen besprochen, Wetterberichte und -modelle verglichen und bald war klar: Wir harren aus!

Die Rechnung haben wir bestellt. Der Wirt offerierte uns noch einen Verreisser um so die Wartezeit zu verkürzen. Fast hätten wir abgelehnt, dann doch zugesagt und dies bis zum letzten Tropfen nicht bereut. Schon der Geschmack in der Nase liess die hintersten Geschmacksnerven frohlocken und der Gaumen erfreute sich einer wohltuhenden Linderung aller geschmacklichen Enttäuschungen. Es war das Pünktchen auf dem "i" und der Abgang war der Traum auf Erden.
So oder ähnlich war unsere letzte Tour. Der Berg eigentlich nicht hoch und um die vielen hohen Gipfel fast ein lächerliches Unterfangen. Ein Winzling in der Umgebung! Neben dem Nordend ist das Fillarhorn - ob das grosse oder kleine - wirklich eine niedliche Erhebung und fast keine Beachtung wert. Aber, ....!
Nicht nur der Wetterbericht versprach viel Sonne, sondern auch draussen und ohne irgendwelche Computermodelle war's "grand beau". Der Aufstieg zum Übergang zum Gornergletscher war schnell geschafft, der Schnee trug uns und leichtfüssig flogen wir beinahe in die Scharte hinauf.
Dank dem Neuschnee war ebenfalls der Abstieg leicht zu überwinden und schon ging's weiter bergauf. Das Ganze zog sich noch in die Länge und der kalte Wind lud alles andere als zum langen Verweilen. So standen wir bereits auf dem Gipfel des grossen Fillarhorn, wo andere erst zum Z'nüni aufbrechen. Die Rast war temperaturabhängig sehr kurz und die Felle bald im Rucksack verstaut: Schliesslich wartete der erste Pulver am Gipfelhang!
Nach dem Pulver folgte eine harte Schneeschicht, die uns bis kurz vor Furi begleiten wird und uns sämtliche Skikünsten, ob Carven oder nur normal "Kürvle", zuliess. Die enge Durchfahrt oberhalb des Gletschergarten erforderte noch einmal volle Konzentration um nicht schon ein vorzeitiges Bad zu nehmen, gefolgt von den ersten Tragpassagen. Eigentlich schon verrückt: Vor 20 Jahren mussten wir an dieser Stelle noch über das Gletscherende abseilen, jetzt kann man gemütlich dem Bach durch die Schlucht folgen.
Der Rest ist eigentlich schnell erzählt: Über die weiche Skipiste folgten noch die letzten Schwünge bevor die warmen Skitourenkleider durch leichte Sommerkleidung getauscht und das letzte Bier in alpiner Umgebung genossen wurde.
Als der Wirt die Rechnung bracht hingen wir alle müde, aber zufrieden in unseren Stühlen und genossen die wärmende Sonne. Trotz ein paar fade Bissen legten wir noch grosszügig Trinkgeld hin und waren vom "Verreisser" immer noch in Festlaune.

Während der Heimreise verteilten wir uns wieder in alle Landesteile und als Kleingruppe erreichten wir Basel.
Nachträglich möchte ich euch allen ganz herzlich für diese tollen und abenteuerlichen Tagen in den Walliser Bergen herzlich danken. Es bereitete erneut viel Freude und Spass.
Das nächste Abenteuer in den hohen Bergen folgt bestimmt!
Tom / 20. Juli 2014

Wer war dabei


Ganze Skitourenwoche:
1. Arnaiz Jonas
2. Blarer Damian
3. Hansen Simon
4. Kaiser Thomas
5. Wild Remo
6. Kühne Alfons (Bergführer)
7. Strehl Claudia
8. Werder Andreas
9. Niklaus Tirza

Ostern:
10. Binder Thomas
11. Poredos Sonja
12. Röthlisberger Salome

Osterwoche:
13. Werder Heidrun
14. Schonefeld Patrick