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Skitouren und Snowboard Lager
18. – 25. Februar 2012

mit JO-Baselland und Sektion

Wer nicht dabei war, den bestraft das Leben endgültig!

Ja, so kann man’s etwa formulieren: Erneut erlebten wir eine hammermässige Tourenwoche bei besten Bedingungen. Soviel Schnee hatte es seit Jahren nicht mehr, und die Sonne lachte uns beinahe jeden Tag ins Gesicht. Ich wurde gleich mehrmals gefragt, ob ich irgendeine Verbindung zu Petrus und Frau Holle hätte.

Doch nun alles schön der Reihe nach:
Samstagmorgen, Basel SBB: Zeitlich sehr moderat ging’s endlich los und, obwohl im falschen Eisenbahnwagen – es gab noch nachträgliche Reklamationen seitens SBB – erreichten wir St. Antönien über Landquart – Küblis.

Die Hausübernahme war kurz und der hilfsbereite Hausherr erledigte schon diverse Arbeiten für uns, so dass es bald einmal hiess: Ab in den Schnee!

Auf halbem Weg nach Rüti gab’s seitens Alfons eine kurze Gebiets- und LVS-Einweisung, eh wir unsere Energie in den Aufstieg umsetzen konnten.

Über Säss erreichten wir den Eggberg. Einige unter uns merkten bald einmal, dass auch eine Ski- oder Snowboardtour doch etwas mehr als eine Turnstunde in der Schule ist. Hilfsbereite „Rücken“ übernahmen einen Teil der Last und so wurden alle mit dem Gipfelerlebnis beglückt. Dass Pascal gleich wieder mit den Schneeschuhen runter laufen wollte, war nur seine erste Idee und nach den ersten stiebenden Kurven auch schon wieder vergessen: Er bekam von der Leichtigkeit und Schwerlosigkeit fast nicht genug.
Der Sonntag startete mit einem kurzen Wettertief! LVS-Übungen, Schnee umschichten und viel Weiteres war angesagt. Für die Einsteiger fast „zu viel“ an Informationen, für die alten Hasen ein Auffrischen des bestehenden Wissens; viele Tricks und Tipps machten die Runde.

Anschliessend gab’s doch noch einen Berg: In kurzer Zeit erreichten wir über Valpun das Gipfelkreuz vom „Chrüz“ (2195 m). Nach den Gipfelküsschen ging’s unter ortskundiger Führung hinunter nach Pany. Der sonnige Samstag änderte die Schneeoberfläche dermassen, dass trotz Neuschnee die Abfahrt stellenweise zur schweisstreibenden Angelegenheit wurde und nicht alle Kurven auf Anhieb klappten.
Montags lachte uns wieder die Sonne entgegen und die meisten Wolken wichen den wärmenden Sonnenstrahlen. Ein Tag für etwas „Grösseres“! Auf halbem Weg nach Partnun bogen wir scharf links ab und über die Alp Garschina erreichten wir den Schafberg (2456 m).

Schon beim Aufstieg wurden die ersten Abfahrtsträume wach und sie enttäuschten uns nicht. Obwohl der Himmel wieder bedeckt, „powderten“ wir über die weiten Flächen oberhalb der Alp Garschina ins Tal hinunter. Die grossen Fischmäuler kurz vor dem Erreichen der Talsohle beeindruckten alle und die Idee des mutigen Überspringens wurde bald einmal fallen gelassen.
Der Dienstag brachte uns an die erste Grenzerfahrung! Bei wunderbarem Wetter stiegen wir bei und absoluter Toppmotivation gemütlich dem Riedchopf (2552 m) entgegen. Nach dem Vorgipfel und überschreiten des Grates brach zwar ein kleines Schneebrett nach Österreich los. Dies führte uns gleich vor Augen, dass der Schnee trotz aller Euphorie gewisse Gefahren verbergt. Der Halt auf dem Gipfel war kurz, westlich von uns lag ein fast unberührtes Couloir und mit seiner Ausrichtung nach Nord, wohl mit bestem Pulver gefüllt.

Auf halben Weg gab’s ein kurzer Aufstieg und in der nördlichen Verlängerung vom Schollberg kurvten wir über weite unberührte Hänge Partnun entgegen.

Der Kaffee war topp, die LVS- Uebungsanlage flopp! In zügiger Fahrt ging’s zurück nach St. Antönien.
Mittwoch war der grosse Tag und für mich persönlich der X.-Anlauf für die Besteigung der Sulzfluh. Schon der Zustieg bis Partnun zog sich in die Länge und stimmte uns auf etwas Grosses ein. Die Sonne lachte uns bald einmal unerbärmlich entgegen, und es erinnerte uns mehr an Frühjahr als Februar. Der Aufstieg durchs Gemschtobel war für alle eine Herausforderung. Nach ein paar Stunden erreichten alle überglücklich den Gipfel der Sulzfluh (2817 m), wo’s den lang ersehnten „Gipfelkuchen“ zur weiteren Stärkung gab.

Für die Abfahrt suchten wir die nach Norden ausgerichteten Flächen, wo noch bester Pulver lag und uns einen Spass ohne Ende bescherte. Ein kurzer Boxenhalt in Partnun erlaubte uns den leeren Flüssigkeitsvorrat zu ergänzen, eh es über die letzten Hänge zurück in den Stall ging.
Nach Grossem folgte etwas noch grösseres! Jedenfalls war dies unsere – Alfons und meine Idee. So zogen wir donnerstags erneut in die Enge gegen Partnun, wo’s kurz vorher wieder nach links über eine Brücke weg und Höhe ging. Nach der Alp Grischina erreichten wir die Girenspitz (2369 m). Ab dort erwarte uns eine Abfahrt bis auf 642 Meter. Der Himmel war bedeckt, es war relativ warm und die Sonne der letzten Tage setzte auch dem Schnee entsprechend zu. Trotz dieser Erschwernisse düsten wir über den noch vorhandenen Powder der Tiefe entgegen, ein kurzer Gegenaufstieg auf den Hurscher und schon ging’s weiter dem Tal entgegen. Ab der Höhe von rund 1700 Meter ging dann plötzlich nichts mehr: Der Schnee war dermassen trocken, dass fast keine anständige Kurve möglich war und unsere Sportgeräte buchstäblich auf dem Schnee kleben blieben. So etwas erlebte ich eigentlich noch selten, und diese Verhältnisse reichten fast bis hinunter nach Schiers. Die Landschaft dem Gross- und Schraubach entlang wäre eigentlich sensationell schön, aber die anstrengende Schieberei setzte unserer Müdigkeit noch eins oben drauf, und alle ersehnten die warme Ovi unten in Schiers herbei.

Dann war der Billetkauf nach St. Antönien noch was Spezielles: Die liebe Dame am Schalter wollte mir so kurzfristig kein Kollektivbillet verkaufen: Zu kurzfristig und sie könne mir die Transportmöglichkeit hinauf nach St. Antönien nicht garantieren. Vielleicht stehe ja nur ein kleiner Bus bereit! Schlussendlich hatte ich mein Billet und in Küblis stand dann aber doch tatsächlich nur ein Kleinbus. Hut ab vor dem Fahrer: Nach mehrmaligen Ladeversuchen hatten schlussendlich alle irgendeinen Platz gefunden und unter 3. Welt-Transportbedingungen ging's, zwischen Skis, Board, Kinderwagen und vielen Menschen, über die kurvenreiche Strasse nach St. Antönien hinauf.
Für den Freitag verkleinerte sich unsere Gruppe – zwei gingen bereits am Donnerstagabend nach Hause und zwei blieben im Lagerhaus zurück (Ruhetag; Pascal wollte jeden zweiten Tag einen Ruhetag einlegen!). In gemächlichem Tempo stiegen wir der Aschariner Alp, weiter über Nordhänge dem Jägglisch Horn (2290 m) entgegen und liessen schon die ersten Träume wach werden. Nach einem ausgedehnten Aufenthalt in Sonne und Wärme ging’s endlich über die Nordhänge zurück zur Aschariner Alp. Erneut wies uns ein Schneebrett in die Schranken und an moderate Spuren durch die Nordhänge.

Der Gegenaufstieg unter frühlingshaften Bedingungen zur Hasenflüeli (2341 m) war auch der letzte richtige Gipfel dieser Woche, eh wir erneut über fast jungfräuliche Hänge Gafia entgegen düsten. Ein weiterer Schneerutsch leitete uns in weniger steilere Flächen und vorsichtigerer Routenwahl.
Samstags war’s erneut relativ warm und der bedeckte Himmel liess auch kein grosses Unternehmen mehr zu. Selbst der Hausherr war über unser Tun und Lassen nicht ganz unberührt. Eben als Folge dieser Konstellation gab’s zum Abschluss nur noch die Besteigung aufs Spitzenbüel (2194 m) mit gleicher Abfahrt nach St. Antönien. Der Schnee war nicht mehr ganz nach unseren Träumen und einmal mehr waren wir Boarder klar im Vorteil.

Die obligate Hausreinigung war die letzte grosse Tätigkeit, bevor uns das Postauto wieder zurück ins Tal und die Eisenbahn nach Hause brachte.
Ja, es war wieder ein super Lager und es machte erneut grossen Spass mit euch unterwegs zu sein. An alle ebenfalls ein grosses Dankeschön für eure spontane Hilfsbereitschaft und Mitarbeit bei den täglichen Hausarbeiten. Ich kann mir wirkliche keine besseren Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorstellen.

Auch Alfons möchte ich ganz herzlich für seine umsichtige Führung und guten Ideen danken. Ebenso brachte er sein grosses Wissen ins Lager ein, führte uns um die Gefahrenspots herum und löste gegebenenfalls die Lawine eben gleich selbst aus (Siehe Text oben!). Hier wäre ich als Hobby-Skileiter doch mehrmals überfordert gewesen und dieser Winter brachte wieder einmal ganz spezielle Verhältnisse hervor.
Tja, was bleibt mir da noch zu sagen? Einfach: Es war super und ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe des „Ski- und Snowboardtourenlager“, gemeinsam mit der JO-Baselland.

Wer war dabei:
• Alfons Kühne, Bergführer
• Tom Kaiser, Leiter Ski
• Andreas Hurter, Leiter Ski / Samstag-Donnerstag
• Salome Röthlisberger, Leiterin Bergsteigen
• Franziska Hilfiker, Leiterin Bergsteigen / Dienstag-Samstag
• Mirjam Baumgartner, JO Angenstein
• Pascal Bernhard, JO Angenstein
• Anja Bieler, JO Angenstein
• Christoph Hilfiker, JO Angenstein
• Paul Sonnenschein, JO Angenstein
• Heiner Brogli, Sekt. Angenstein
• Heidrun Werder, Sekt. Angenstein
• Remo Wild, Sekt. Angenstein
• Rosina Glur, Leiterin Ski / JO Baselland
• Samuel Bonfanti, JO Baselland
• Tirza Niklaus, JO Baselland
• Ramona Schneider, Sekt. Baselland